DIE ZEIT NACH CORONA  #6 JUGENDARBEITSLOSIGKEIT
09. Juni 2020

DIE ZEIT NACH CORONA #6 JUGENDARBEITSLOSIGKEIT

perspektiven

Plötzlich droht Jugendarbeitslosigkeit. Vor Corona haben wir vor allem eines gehört: die österreichischen Unternehmen leiden unter Fachkräftemangel. Einer der Gründe, warum ich in meiner Rede „Entschlossen für Wien“ eine Lehrplatzgarantie für die Jugend angekündigt habe. Seit dem hat sich vieles verändert.  Die Gruppe, die besonders davon betroffen ist, sind Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahre.

Für mich ist das eine besorgniserregend Entwicklung. Abgewandelt von Ödon von Horvaths „Jugend ohne Gott“ ist „Jugend ohne Arbeit“ eine Situation, die wir bis dato aus dem von der Finanzkrise geschüttelten Süden der EU gekannt haben. Doch die Corona Pandemie hat das alles verworfen. Im Vergleich zum Vorjahr haben wir momentan bei der Arbeitslosigkeit ein Plus von rund 56% bei den Jugendlichen. Die Österreichische Gewerkschaftsjugend spricht in diesem Zusammenhang von der “Generation Corona” und ich kann ihre Anliegen nur vollends unterstützen.

Damit verbunden sind grosse Zukunftsängste:

  • Wie soll ich mein Leben finanzieren?
  • Werde ich überhaupt meine Ausbildung abschliessen können?
  • Kann ich ohne finanzielle Absicherung an Familiegründung denken?

Diese Entwicklung birgt auch viele politische Risken. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich aufgrund hoher (Jugend) Arbeitslosigkeit die Stimmung im Land zu drehen und zu radikalisieren beginnt. Dass Populisten mit leeren Worthülsen und antisystemischen Auftreten hohen Zuspruch ernten, weil die bestehende Politik in den Augen der Jugendlichen versagt.

Dem möchte ich als Wiener Bürgermeister entschieden entgegentreten. Auch aus meiner sozialdemokratischen Werterhaltung heraus. 

Jugend braucht Perspektive und Respekt

Meine politischen Massnahmen sind von meiner Überzeugung geprägt, dass jedes Kind, jeder Jugendlicher – egal welcher Herkunft und sozialem Hintergrund – die bestmögliche Ausbildung geniessen muss und soll. Nicht nur, dass es sich hier um ein Menschenrecht handelt. In die Bildung eines Menschen zu investieren, heisst auch einen Beitrag für das Gemeinwohl zu leisten. Davon profitieren wir alle als Gesellschaft und Volkswirtschaft. Dabei ist es auch wichtig die Massnahmen so zu gestalten, damit es sich sowohl im Betrieb wie auch in der überbetrieblichen Lehrausbildung um eine qualitätsvolle Lehrausbildung handelt.

So schaffen wir nicht nur Arbeitsplätze sondern geben auch den Jugendlichen den notwendigen Respekt und das Selbstbewusstsein, zur Gemeinschaft/ Gemeinwohl solidarisch etwas beizutragen. Jugendarbeitslosigkeit zu verhindern, ist mir ein persönliches Anliegen.

Wiener Corona-Ausbildungspaket

Unsere Massnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit präsentieren wir im Corona-Ausbildundspaket.  Als Stadt Wien werden wir für die überbetriebliche Lehrausbildung in Wien 10 Millionen Euro in Vorleistung aufbringen. – realisiert wird dies mit dem Waff (übrigens eine in Österreich einzigartige Einrichtung) gemeinsam mit dem AMS. Auch jenen, die nur einen Pflichtschulabschluss besitzen, werden wir unter die Arme greifen.

Über die Hälfte der arbeitslosen WienerInnen zwischen 20 und 24 Jahren haben höchstens einen Pflichtschulabschluss. Konkret sind das 8.712 Jugendliche in dieser Altersgruppe. Sie sollen daher gezielt beim Nachholen von Lehrabschlüssen oder gleichwertigen Ausbildungen unterstützt werden. Das AMS Wien und der waff werden in einem ersten Schritt alle 18 bis 21-jährigen arbeitslosen WienerInnen, die keine abgeschlossene Ausbildung haben, einladen und ihnen den Qualifikationspass Wien anbieten. Dafür nehmen wir 7 Millionen Euro in die Hand.

Darüberhinaus wollen wir Betriebe animieren, Lehrstellen zu schaffen, und das in einer Art Ausbildungsverbund. So kann man in Kooperation mit anderen Betrieben eine ganzheitliche Ausbildung garantieren.

Trotz der aktuellen Krise am Arbeitsmarkt gibt es Branchen, die zusätzliche Arbeitskräfte brauchen. Das ist allen voran der Gesundheits-und Pflegebereiche und der IKT Bereich. Dazu kommt, dass etwa zur Bekämpfung des Klimawandels ganz neue Berufe mit entsprechenden Qualifikationen gefragt sein werden. Der waff wird daher gemeinsam mit dem AMS Wien ein Modell für eine Arbeitsstiftung ähnlich den „Jobs PLUS Ausbildung“ entwickeln, wo er mit Branchen und Unternehmen, die spezielle Fachkräfte suchen, kooperiert und damit Arbeitsuchenden einen beruflichen Neustart ermöglicht.

Unser Wiener Lehrausbildungspaket bildet einen von mehreren Schwerpunkten bei der Aus- und Weiterbildung der Kinder – und Jugendlichen:

  • Die politische Bildung und Partizipation haben wir mit der Kinder- und Jugendstrategie der Stadt Wien gestartet – 193 Massnahmen sind das Ergebnisse von Themenworkshops, die Kinder und Jugendliche beschäftigten.
  • Unserem Gratis-Kindergarten soll ab Herbst die Gratis Ganztagsschule folgen –  für mich ist der Kindergarten kein Abstellplatz für Kinder sondern die erste wichtige Bildungseinrichtung im Leben eines Kindes. Wichtig für die weitere persönliche Entwicklung.

All diese Massnahmen sollen dazu beitragen, den Erwachsenen von morgen eine Sicherheit und Perspektive in der lebenswertesten Stadt  der Welt zu geben: für ein zufriedenes, finanziell abgesichertes Leben mit hoher Lebensqualität.

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